seit letzter Woche hat der Frühling hier Einzug erhalten. Es wird täglich wärmer (eigentlich schon deutsche Sommertemperaturen) und auch nicht mehr ganz so früh dunkel - wenn auch selbst im Sommer die Tage immer noch sehr viel kürzer sind als in Deutschland. Außerdem beginnt die bisher etwas trostlose braun-verwelkte Landschaft langsam zu grünen.
Nach einer Woche Bettlägrigkeit aufgrund (Schweine?)grippe und einer weiteren arbeitsreichen Testwoche möchte ich mal wieder etwas berichten. In der Zwischenzeit ist eine Menge geschehen und es wird mir wohl kaum möglich sein hier alles zu erzählen. Daher greife ich mal die erwähnenswertesten Punkte heraus.
Vor fünf Wochen nutzte ich mit meinen Flatmates ein verlängertes Wochenende, um einen Ausflug an die Ostküste nach St. Lucia zu machen. Diese Region wurde uns von Einheimischen wärmstens empfohlen, da sie unter anderem eine großartige Küstenlandschaft bietet. Also mieteten wir uns ein Auto und nahmen die rund 800 km in Angriff. Bereits nach 50 km gab es die erste Überraschung, als die Zivilisation um uns plötzlich abnahm und sich die Straße in eine Sandpiste verwandelte. Diese Piste war vergleichbar mit besonders schlechten unbefestigten Feld- und Waldwegen in Deutschland, die ich dort mit einem normalen Wagen - wir hatten einen Ford Focus - nur mit ca. 20 km/h befahren würde. Angesichts der Distanz von rund 30 km, die in dieser Beschaffenheit vor uns lagen, erschien mir das allerdings keine vertretbare Lösung. Also nahm ich das Lenkrad fest in die Hand und hoffte auf das Qualitätsbewusstsein der Ford-Ingenieure. Und siehe da: man kann eine solche Strecke auch mit 80-100 km/h fahren (Ich würde es trotzdem nicht mit meinem eigenen Auto machen). Nach einer Übernachtung in Bethlehem setzten wir unsere Reise am nächsten Tag fort und nach ermüdenden vielen weiteren Kilometern sahen wir unser Ziel schon in greifbarer Nähe. Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit uns. 30 km vor St. Lucia offenbarte sich uns ein Schlagloch der gehobenen Klasse, für das es kein Ausweichen mehr gab. Es tat einen lauten Schlag und ich ahnte schon Schlimmes. Als ich den Wagen gestoppt hatte und die Autotür öffnete hörte ich nur noch ein Zischen. Es hatte uns nicht nur einen, sondern gleich beide rechten Reifen zerhauen, sodass auch unser Ersatzrad keine Hilfe mehr war. Da standen wir nun am Straßenrand und zu allem Überfluss war auf der 24-Stunden-Hotline der Autovermietung natürlich über Stunden niemand zu erreichen. Nach einiger Zeit des Wartens stoppte ein Mann mit seinem Wagen und empfahl uns aus Sicherheitsgründen hier besser nicht lange zu verweilen, insbesondere da es anfing dunkel zu werden. Glücklicherweise konnte er uns einen Abschleppwagen rufen, der uns dann in eine Werkstatt - es war eher ein Schrottplatz - brachte. Um die Geschichte kurz zu machen: Wir bekamen am nächsten Tag nach vielem Telefonieren einen Ersatzwagen und konnten unser Ziel schließlich erreichen. Uns war nicht zuviel versprochen worden. Die Gegend - ein großes Reservoir mit vielen Wildtieren - und insbesondere der Strand waren fantastisch. Doch schaut Euch die Bilder an.
Das Wochenende darauf waren wir wieder mit dem Auto unterwegs, diesmal aber mit einem der richtigen Sorte für das hiesige Gelände. Es ging jedoch eher nicht darum, von A nach B zu kommen, sondern vielmehr seine Fahrkünste im Gelände unter Beweis zu stellen. Hierzu hatten uns ein paar Südafrikaner eingeladen. Wir fuhren also mit deren Geländewagen aus der Stadt hinaus zu einem 4x4-Trail. Das ist ein Parcours von ca. 30 km Länge in einer hügeligen Landschaft, für den man ein paar Rand Eintritt zahlen muss und dann sein Auto an die Grenzen seiner Geländegängigkeit bringen kann. Und es war in der Tat extremer Spaß, zumal ich auch selber ans Steuer durfte und Steigungen bzw. Gefälle gefahren bin, bei denen man den Sicherheitsgurt dringend brauchte, um beim Bergabfahren nicht aus dem Sitz zu fallen und gegen die Windschutzscheibe zu klatschen.
In der Mittagspause hatten wir ein Braai. Das ist die hiesige Bezeichnung für Grillen und gehört zu den absoluten Lieblingsbeschäftigungen der Südafrikaner. Braaiplätze findet man an jeder Ecke, man muss sich nur mit Fleisch eindecken - und das ist ein wahres Vergnügen. Die Auswahl an Grillfleisch in den Supermärkten ist super. Das Fleisch, vor allem Beef und Lamm, schmeckt exzellent, ist riesengroß und dazu so günstig, dass ich mir bisher immer soviel gekauft habe, dass ich am Ende meist Magenschmerzen hatte.
Eine recht abenteuerliche Wendung fand der Ausflug als bei dem Land Rover einer anderen Gruppe aufgrund unangemessener Fahrweise die Antriebswelle durchgebrochen ist. Auch wenn man nicht glaubt, dass ein Land Rover so etwas über sich ergehen lassen muss, mussten wir ihn mit unserem Toyota-Pickup und Nissan Pajero den Rest des Trails abschleppen, was sich zu einer ziemlich langwierigen Angelegenheit entwickelte, sodass wir nach viel Arbeit mit Seilwinden und Abschleppseilen erst in der Dunkelheit am Ende des Parcours ankamen.
Donnerstag, 10. September 2009
Dienstag, 28. Juli 2009
The Big Five
...habe ich zwar noch nicht alle zu sehen bekommen (bisher nur einen eingesperrten Löwen). Das letzte Wochenende haben wir aber schon einmal dazu genutzt mit einem Mietauto die Umgebung von Potch zu erkunden. Darunter war auch eines der vielen Reservoirs für Wildtiere. Dieses befährt man zusammen mit dem Ranger auf einem Geländewagen und so bekamen wir einen ersten Eindruck von der einmaligen Vielfalt, die die Tierwelt Südafrikas zu bieten hat. Uns zeigten sich an diesem Tag unter anderem Giraffen, Zebras und diverse anthilopenähnliche Wesen deren Namen ich leider nicht weiß. Die Bilder der Tour habe ich online gestellt.
Das Auto ist wohl das geeignetste Fortbewegungsmittel hier. Glücklicherweise sind die Mietpreise sehr günstig, wie überhaupt die Lebenshaltungskosten für europäische Verhältnisse hier sehr niedrig sind. Und auch an den Linksverkehr gewöhnt man sich überraschend schnell, wenn ich auch intuitiv anfangs meistens den Scheibenwischerhebel betätigt habe, wenn ich eigentlich blinken wollte. Die Straßenverhältnisse sind recht ordentlich. Sandpisten findet man zwar auch ab und zu, meistens kann man diese aber umgehen. Das Fahren erfordert allerdings sehr viel Aufmerksamkeit. Leute laufen am Rand der ohnehin recht schmalen Schnellstraßen und wenn man nicht aufpasst, kann man bei 120 km/h auch mal ein deftiges Schlagloch erwischen - gut, dass man einen Mietwagen hat.
Das Auto ist wohl das geeignetste Fortbewegungsmittel hier. Glücklicherweise sind die Mietpreise sehr günstig, wie überhaupt die Lebenshaltungskosten für europäische Verhältnisse hier sehr niedrig sind. Und auch an den Linksverkehr gewöhnt man sich überraschend schnell, wenn ich auch intuitiv anfangs meistens den Scheibenwischerhebel betätigt habe, wenn ich eigentlich blinken wollte. Die Straßenverhältnisse sind recht ordentlich. Sandpisten findet man zwar auch ab und zu, meistens kann man diese aber umgehen. Das Fahren erfordert allerdings sehr viel Aufmerksamkeit. Leute laufen am Rand der ohnehin recht schmalen Schnellstraßen und wenn man nicht aufpasst, kann man bei 120 km/h auch mal ein deftiges Schlagloch erwischen - gut, dass man einen Mietwagen hat.
Welcome to Potch
Mein Auslandssemester fand einen recht komfortablen Einstieg. Da die Lufthansa-Maschine überbucht war und mein regulärer Sitzplatz beim Check-in bereits vergeben war, musste ich mit einem Platz in der Business-Class vorlieb nehmen. Nach entspannten 10,5 Stunden und 8700 km Flugs landete ich in Johannesburg (kurz: Joburg, sprich: Dschobörg). Dort wurde ich von einem Studenten abgeholt, der mich zu meinem Uniort, dem ca. 120 km südwestlich liegenden Potchefstroom, fuhr.
Potchefstroom ist eine kleinere Stadt von rund 124.000 Einwohnern. Die Uni ist allerdings mit 45.000 Studenten (die sich auf mehrere Standorte verteilen) eine der größten Südafrikas und erscheint zumindest in diesem Verhältnis Gießen nicht allzu fremd. Doch die Unterschiede, die zugleich leider häufig auch durch die gravierenden Probleme dieses Landes bedingt sind, werden einem bereits beim Betreten des Uni-Geländes sichtbar. Der große Campus ist ringsum von einem vier Meter hohen Beton-/Elektrozaun eingeschlossen und kann nur an einigen Eingangskontrollen betreten werden. Auch wenn Potch sicherlich nicht von so hoher Kriminalitätsrate geplagt wird, wie z.B. die großen Städte Johannesburg und Cape Town, so bekommt man die Angst vor Kriminalität in der Bevölkerung, insbesondere der weißen, regelmäßig zu spüren. Der Campus umfasst neben den Unizweckbauten auch einen Teil Wohngebiet. Daher steht den ausländischen Studenten ein gewöhnliches voll ausgestattetes Wohnhaus als Unterkunft zur Verfügung. Dieses teile ich mir mit drei Belgiern und zusätzlich demnächst zwei Deutschen.
Da hier zur Zeit Winter ist, wird es insbesondere nachts mit Temperaturen um den Gefrierpunkt recht kalt. Das ist für europäische Verhältnisse natürlich nichts besonderes, allerdings bekommt man die Kälte auch im Haus recht ungezügelt zu spüren, da die Häuser hier keinerlei Isolierung aufweisen - von Doppelverglasung und einer Zentralheizung mal ganz zu schweigen. Glücklicherweise haben wir ein paar Elektroöfen, die einige Räume akzeptabel aufheizen. Tagsüber ist es mit bis zu 20°C und bisher täglich wolkenlosem Himmel wiederum sehr angenehm. Wie ich zu meiner Verwunderung kürzlich erfahren habe, befinde ich mich hier zudem auf 1350 Meter ü.NN, wovon man eigentlich nicht ausgehen würde, da die Umgebung überwiegend so flach wie Norddeutschland ist. Dieser Umstand lockt viele Rennradfahrer, Marathonläufer und andere Sportler zum Training hierher. Die Uni bietet u.a. mit einem Fitnesscenter ausreichend Sportmöglichkeiten. Abends gibt es ganz gute Gelegenheiten auszugehen und ab und zu veranstaltet auch die Uni Konzerte und anderes Programm. Ansonsten hat Potch selber nicht besonders viel zu bieten. Es ist eben eine kleine Universitätsstadt in die die Studenten von weither kommen und nach Semesterende wieder verlassen. Das ist allerdings nicht weiter tragisch, da ich mit dem Studium die Woche über ausreichend beschäftigt bin (Das Semester geht hier etwas anders von statten als man es von Deutschland gewöhnt ist - doch dazu an anderer Stelle mehr). Und die Wochenenden habe ich bereits jetzt mit meinen Mitbewohnern für Trips fast vollständig verplant.
Potchefstroom ist eine kleinere Stadt von rund 124.000 Einwohnern. Die Uni ist allerdings mit 45.000 Studenten (die sich auf mehrere Standorte verteilen) eine der größten Südafrikas und erscheint zumindest in diesem Verhältnis Gießen nicht allzu fremd. Doch die Unterschiede, die zugleich leider häufig auch durch die gravierenden Probleme dieses Landes bedingt sind, werden einem bereits beim Betreten des Uni-Geländes sichtbar. Der große Campus ist ringsum von einem vier Meter hohen Beton-/Elektrozaun eingeschlossen und kann nur an einigen Eingangskontrollen betreten werden. Auch wenn Potch sicherlich nicht von so hoher Kriminalitätsrate geplagt wird, wie z.B. die großen Städte Johannesburg und Cape Town, so bekommt man die Angst vor Kriminalität in der Bevölkerung, insbesondere der weißen, regelmäßig zu spüren. Der Campus umfasst neben den Unizweckbauten auch einen Teil Wohngebiet. Daher steht den ausländischen Studenten ein gewöhnliches voll ausgestattetes Wohnhaus als Unterkunft zur Verfügung. Dieses teile ich mir mit drei Belgiern und zusätzlich demnächst zwei Deutschen.
Da hier zur Zeit Winter ist, wird es insbesondere nachts mit Temperaturen um den Gefrierpunkt recht kalt. Das ist für europäische Verhältnisse natürlich nichts besonderes, allerdings bekommt man die Kälte auch im Haus recht ungezügelt zu spüren, da die Häuser hier keinerlei Isolierung aufweisen - von Doppelverglasung und einer Zentralheizung mal ganz zu schweigen. Glücklicherweise haben wir ein paar Elektroöfen, die einige Räume akzeptabel aufheizen. Tagsüber ist es mit bis zu 20°C und bisher täglich wolkenlosem Himmel wiederum sehr angenehm. Wie ich zu meiner Verwunderung kürzlich erfahren habe, befinde ich mich hier zudem auf 1350 Meter ü.NN, wovon man eigentlich nicht ausgehen würde, da die Umgebung überwiegend so flach wie Norddeutschland ist. Dieser Umstand lockt viele Rennradfahrer, Marathonläufer und andere Sportler zum Training hierher. Die Uni bietet u.a. mit einem Fitnesscenter ausreichend Sportmöglichkeiten. Abends gibt es ganz gute Gelegenheiten auszugehen und ab und zu veranstaltet auch die Uni Konzerte und anderes Programm. Ansonsten hat Potch selber nicht besonders viel zu bieten. Es ist eben eine kleine Universitätsstadt in die die Studenten von weither kommen und nach Semesterende wieder verlassen. Das ist allerdings nicht weiter tragisch, da ich mit dem Studium die Woche über ausreichend beschäftigt bin (Das Semester geht hier etwas anders von statten als man es von Deutschland gewöhnt ist - doch dazu an anderer Stelle mehr). Und die Wochenenden habe ich bereits jetzt mit meinen Mitbewohnern für Trips fast vollständig verplant.
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