Donnerstag, 10. September 2009

Frühling

seit letzter Woche hat der Frühling hier Einzug erhalten. Es wird täglich wärmer (eigentlich schon deutsche Sommertemperaturen) und auch nicht mehr ganz so früh dunkel - wenn auch selbst im Sommer die Tage immer noch sehr viel kürzer sind als in Deutschland. Außerdem beginnt die bisher etwas trostlose braun-verwelkte Landschaft langsam zu grünen.
Nach einer Woche Bettlägrigkeit aufgrund (Schweine?)grippe und einer weiteren arbeitsreichen Testwoche möchte ich mal wieder etwas berichten. In der Zwischenzeit ist eine Menge geschehen und es wird mir wohl kaum möglich sein hier alles zu erzählen. Daher greife ich mal die erwähnenswertesten Punkte heraus.

Vor fünf Wochen nutzte ich mit meinen Flatmates ein verlängertes Wochenende, um einen Ausflug an die Ostküste nach St. Lucia zu machen. Diese Region wurde uns von Einheimischen wärmstens empfohlen, da sie unter anderem eine großartige Küstenlandschaft bietet. Also mieteten wir uns ein Auto und nahmen die rund 800 km in Angriff. Bereits nach 50 km gab es die erste Überraschung, als die Zivilisation um uns plötzlich abnahm und sich die Straße in eine Sandpiste verwandelte. Diese Piste war vergleichbar mit besonders schlechten unbefestigten Feld- und Waldwegen in Deutschland, die ich dort mit einem normalen Wagen - wir hatten einen Ford Focus - nur mit ca. 20 km/h befahren würde. Angesichts der Distanz von rund 30 km, die in dieser Beschaffenheit vor uns lagen, erschien mir das allerdings keine vertretbare Lösung. Also nahm ich das Lenkrad fest in die Hand und hoffte auf das Qualitätsbewusstsein der Ford-Ingenieure. Und siehe da: man kann eine solche Strecke auch mit 80-100 km/h fahren (Ich würde es trotzdem nicht mit meinem eigenen Auto machen). Nach einer Übernachtung in Bethlehem setzten wir unsere Reise am nächsten Tag fort und nach ermüdenden vielen weiteren Kilometern sahen wir unser Ziel schon in greifbarer Nähe. Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit uns. 30 km vor St. Lucia offenbarte sich uns ein Schlagloch der gehobenen Klasse, für das es kein Ausweichen mehr gab. Es tat einen lauten Schlag und ich ahnte schon Schlimmes. Als ich den Wagen gestoppt hatte und die Autotür öffnete hörte ich nur noch ein Zischen. Es hatte uns nicht nur einen, sondern gleich beide rechten Reifen zerhauen, sodass auch unser Ersatzrad keine Hilfe mehr war. Da standen wir nun am Straßenrand und zu allem Überfluss war auf der 24-Stunden-Hotline der Autovermietung natürlich über Stunden niemand zu erreichen. Nach einiger Zeit des Wartens stoppte ein Mann mit seinem Wagen und empfahl uns aus Sicherheitsgründen hier besser nicht lange zu verweilen, insbesondere da es anfing dunkel zu werden. Glücklicherweise konnte er uns einen Abschleppwagen rufen, der uns dann in eine Werkstatt - es war eher ein Schrottplatz - brachte. Um die Geschichte kurz zu machen: Wir bekamen am nächsten Tag nach vielem Telefonieren einen Ersatzwagen und konnten unser Ziel schließlich erreichen. Uns war nicht zuviel versprochen worden. Die Gegend - ein großes Reservoir mit vielen Wildtieren - und insbesondere der Strand waren fantastisch. Doch schaut Euch die Bilder an.


Das Wochenende darauf waren wir wieder mit dem Auto unterwegs, diesmal aber mit einem der richtigen Sorte für das hiesige Gelände. Es ging jedoch eher nicht darum, von A nach B zu kommen, sondern vielmehr seine Fahrkünste im Gelände unter Beweis zu stellen. Hierzu hatten uns ein paar Südafrikaner eingeladen. Wir fuhren also mit deren Geländewagen aus der Stadt hinaus zu einem 4x4-Trail. Das ist ein Parcours von ca. 30 km Länge in einer hügeligen Landschaft, für den man ein paar Rand Eintritt zahlen muss und dann sein Auto an die Grenzen seiner Geländegängigkeit bringen kann. Und es war in der Tat extremer Spaß, zumal ich auch selber ans Steuer durfte und Steigungen bzw. Gefälle gefahren bin, bei denen man den Sicherheitsgurt dringend brauchte, um beim Bergabfahren nicht aus dem Sitz zu fallen und gegen die Windschutzscheibe zu klatschen.
In der Mittagspause hatten wir ein Braai. Das ist die hiesige Bezeichnung für Grillen und gehört zu den absoluten Lieblingsbeschäftigungen der Südafrikaner. Braaiplätze findet man an jeder Ecke, man muss sich nur mit Fleisch eindecken - und das ist ein wahres Vergnügen. Die Auswahl an Grillfleisch in den Supermärkten ist super. Das Fleisch, vor allem Beef und Lamm, schmeckt exzellent, ist riesengroß und dazu so günstig, dass ich mir bisher immer soviel gekauft habe, dass ich am Ende meist Magenschmerzen hatte.

Eine recht abenteuerliche Wendung fand der Ausflug als bei dem Land Rover einer anderen Gruppe aufgrund unangemessener Fahrweise die Antriebswelle durchgebrochen ist. Auch wenn man nicht glaubt, dass ein Land Rover so etwas über sich ergehen lassen muss, mussten wir ihn mit unserem Toyota-Pickup und Nissan Pajero den Rest des Trails abschleppen, was sich zu einer ziemlich langwierigen Angelegenheit entwickelte, sodass wir nach viel Arbeit mit Seilwinden und Abschleppseilen erst in der Dunkelheit am Ende des Parcours ankamen.

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